Kämpferische Demo, antikapitalistische und internationale Reden!

Ein Mut machender Frauentag in Stuttgart

Am Internationalen Frauentag demonstrierten knapp 6000 Menschen, insbesondere junge Frauen mit einem kämpferischen Zug durch die Innenstadt Stuttgarts. Im Fokus bei den Reden stand die zunehmende Kriegsgefahr, der Sozialabbau und die Auswirkungen auf Frauen und Queers, die steigende Gewalt gegen Frauen, gewerkschaftliche Arbeitskämpfe sowie die Eskalation der Kriege im Nahen Osten.

Eine Vertreterin der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten (NGG) forderten bei der Auftaktkundgebung ein Arbeitsumfeld frei von Sexismus, Diskriminierung und Hass, sichere Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen, echte Lohngerechtigkeit, mehr Tarifbindung sowie gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Menschen mit Sorgeverantwortung. „Dafür brauchen wir Frieden statt Kriegstreiberei. Verantwortung statt Profitgier,“ so die klare Ansage „Hände weg vom 8-Stunden-Tag! Wenn die Kinderbetreuung schon für eine 8-Stunden-Schicht nicht klappt, wie soll es dann bei 13 Stunden werden?“

Das Aktionsbündnis 8. März betonte die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Streiks. „Das stärkste Mittel in Arbeitskämpfen ist der Streik. Wie effektiv es ist, wenn FLINTA nicht nur ihre Lohnarbeit, sondern auch ihre unbezahlte Arbeit bestreiken, wissen wir. In Island streikten 1975 90% der Frauen und brachten das Land zum Stillstand, ein Meilenstein, der eine Reihe an feministischen Errungenschaften mit sich brachte…Angesichts dieser Erfolge wird das Rufen nach einem feministischen Massenstreik auch in Deutschland immer lauter…Als Aktionsbündnis 08. März sind wir seit einigen Jahren Teil einer bundesweiten Streikvernetzung und arbeiten mit Feminist:innen in ganz Deutschland zum Feministischen Streik. Wir sind überzeugt vom Streik als Druckmittel feministischer Kämpfe, denn: Wenn FLINTA ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen, steht die Gesellschaft still.“ Die Parole „Ohne Streiks lässt sich nichts verändern“ erschall deshalb auch immer wieder – sowohl bei der Kundgebung als auch bei der Demo.

Im Übergang zur internationalen Situation wurde der Genozid in Gaza verurteilt sowie der Völkerrechtswidrige Krieg gegen den Iran und die gesamte Region durch die USA und Israel. Eine Vertreterin von der iranischen Frauenorganisation „Feminists 4 Jina“ prangerte die systematische Zerstörung der Infrastruktur des Lebens an, von Schulen, Krankenhäuser, Wasseranlagen, Betrieben. „Feminismus bedeutet die Verteidigung des Lebens, während Krieg eine Todesmaschine ist. Feminismus bedeutet den Kampf gegen patriarchale Gewalt und Militarismus verstärkt genau diese Gewalt. Unser feministischer Kampf ist mit dem Klassenkampf verbunden. Wenn Milliarden Euro für Militär und Waffen ausgegeben werden, werden soziale Dienstleistungen gekürzt, die Lebenshaltungskosten steigen und Frauen geraten noch stärker in wirtschaftliche Abhängigkeit…Da viele Kriege aus Europa und den USA gesteuert werden, müssen wir hier gegen die kriegstreibenden Politik kämpfen…Nein zum imperialistischen Krieg – Ja zum Kampf für das Leben in Würde“, so die klaren Worte der iranischen Rednerin.

Der massive Sozialabbau, der derzeit auf Bundesebene, aber auch ganz konkret in Stuttgart vorangetrieben wird, gefährdet die feministischen Erfolge der letzten Jahrzehnte. Deshalb kämpft das Aktionsbündnis entschlossen dafür, dass nicht länger Profite, sondern kollektive Fürsorge im Zentrum steht. Eine Gesellschaft, die nicht länger auf die Ausbeutung von Frauen setzt, wurde eingefordert mit dem Hinweis, dass deshalb auf einen großen feministischen Streik im Jahr 2027 hingearbeitet wird. Um ein klares Zeichen zum Hauptthema des diesjährigen Frauentags zu setzen wurde – als der lange Demozug beim Gewerkschaftshaus vorbei kam – ein Banner aus dem obersten Stockwerk heruntergelassen mit der Aufschrift „We care, capitalism doesn’t“.

Bei der Abschlusskundgebung begeisterte der feministische Chor mit seinen revolutionären Liedern („hinter den Barrikaden“) und mit den verteilten Straßenkreiden hinterließen die Demonstrierenden ihre Forderungen auf dem Schlossplatz. Eine Kollegin aus dem Krankenhaus berichtete über zwei Femizide im Wohnheim für das Pflegepersonal – beide Femizide innerhalb nur weniger Jahre. Sie berichtete über die ganzen entwürdigenden Situationen, sexuellen Missbrauch, körperliche Gewalt, Catcalling, Manipulationen: „Dies ist nur ein Hauch an Unterdrückungsmechanismen, die in ihrer Summe für manche von uns, wie Maha, tödlich enden… Wie man sieht, bleibt das Versprechen von Gleichberechtigung im Kapitalismus oberflächlich, solange ökonomische Macht ungleich verteilt ist.“

Die Rede des kurdischen Frauenvereins Meryem berichtete vom Aufbau der kurdischen Frauenstrukturen in Rojava und den permanenten Angriffen auf diese. „Weder autoritäre Regime noch imperiale Interessen stehen für die Befreiung der Frauen. Die Kraft zur Veränderung kommt aus der organisierten Gesellschaft selbst… Das Patriarchat holt zum Gegenschlag aus. Es versucht, die Fortschritte der Frauenbewegungen zurückzudrängen und zu verhindern, dass das 21. Jahrhundert zur Epoche der Frauenrevolutionen wird… Wenn Frauen sich organisieren, wenn wir unsere Stimmen verbinden und Grenzen überwinden, entsteht eine Kraft, die stärker ist als Unterdrückung und Krieg… Im Kampf verflochten, im Widerstand vereint, schaffen wir das freie Leben. Jin, Jiyan, Azadî.“

Das Feministische Frauen-Gesundheitszentrum FF*GZ, das sich seit 40 Jahren um die Gesundheitsversorgung schwangerer und ungewollt schwangerer Menschen kümmert, berichtete über die Schwierigkeiten und die strukturellen Lücken im System rund um Schwangerschaft, Geburt, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen. In Deutschland gilt es, jährlich fast eine Million Menschen rund um diese Themen zu behandeln und zu betreuen. Die Rednerin verurteilte die Schließung von Geburtshilfeabteilungen aus finanziellen Gründen. „Das darf so nicht weitergehen! Immer noch müssen ungewollt schwangere Personen teils hunderte Kilometer fahren, um eine Praxis zu finden, die ihnen einen sicheren Schwangerschaftsabbruch ermöglicht. Das ist eine Schande!… Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich legalisiert werden! Migration darf kein Risiko in Schwangerschaft und Geburt sein!“ Sie betonte, dass Gesundheit ein Menschenrecht ist und der Druck auf Gemeinderäte, Landtag und Bundestag verstärkt werden muss. „Wir sind viele. Wir sind laut. Und wir verändern dieses System – gemeinsam!“