Auf AfD-Niveau…

Betriebsratswahlergebnisse in den Mercedes-Werken Sindelfingen und Untertürkheim.

Im Mercedes-Werk Sindelfingen fanden vom 3. bis 5. März die Betriebsratswahlen statt. Das erste bemerkenswerte Ergebnis ist die Beteiligung: Sie lag mit 61,4 Prozent rund 6 Prozent höher als 2022. Den höchsten Stimmenanteil erhielt die Liste der IG Metall mit 80,39 Prozent (2022: 79,8 Prozent). Sie erhält damit 48 von 57 Sitzen im Betriebsrat.

Die rechtsextreme Liste Zentrum trat mit 47 Kandidaten an, erhielt 6,1 Prozent (plus 2,2 Prozent) der Stimmen und holte damit drei Sitze. Das ist ein Sitz mehr als vor vier Jahren. Insgesamt wählten 1.338 Beschäftigte die Liste Zentrum. Zu den drei über die Liste Zentrum gewählten Rechten gehört Kay Rittweg, AfD-Mitglied, Gemeinderat aus Oberndorf am Neckar und seit der Landtagswahl 2026 auch Mitglied der AfD-Landtagsfraktion. Das zeigt die Verschmelzung von Zentrum und AfD. Ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der seitens der AfD galt, wurde 2022 aufgehoben. Und auch Mitglieder des Zentrums können bei der AfD Mitglied werden. Beide Gruppen traten im Wahlkampf gemeinsam am Werkstor auf und machten Werbung für die Landtags- und Betriebsratswahl. Auf Platz 3 kommt in Sindelfingen die „Christliche Gewerkschaft Metall“ mit 5,39 Prozent (2022: 6,9 Prozent) und drei Betriebsräten (2022: vier). Dahinter folgen mit je einem Sitz im Gremium die „AUB – Die Unabhängigen Sindelfingen“, die Liste „Die Mitte“ sowie „Die Basis“. Im Wahlkampf gab es die Befürchtung, dass das Zentrum deutlich stärker hinzugewinnt. Dies konnte verhindert werden. Die IG Metall konnte sich bei Mercedes in Sindelfingen behaupten.

Im Mercedes-Werk Untertürkheim konnte die Liste Zentrum neun Mandate erringen – und damit zwei mehr als 2022. Hier ist die Liste entstanden. Oliver Hilburger, Vorsitzender des Zentrums und ehemaliger Musiker einer rechtsextremen Rockband, ist seit über 16 Jahren im Werk aktiv. Seine Liste trat in Untertürkheim mit 207 Kandidaten an, 2.323 Kollegen gaben ihr ihre Stimme. Das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent und liegt ungefähr auf dem Niveau, das die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg erreichen konnte. Die IG Metall bekam rund 70 Prozent der Stimmen (minus 5 Prozent) und erhielt insgesamt 31 von 43 Mandaten. Die Liste Unabhängige (UAG ’78) wird mit zwei Vertretern im neuen Gremium sitzen, die Christliche Gewerkschaft Metall mit einem. Auch in Untertürkheim war die Wahlbeteiligung mit 68 Prozent sehr hoch. Und auch hier gab es im Vorfeld der Wahlen gemeinsame Auftritte von AfD und Zentrum vor dem Werkstor, darunter mit AfD-Chefin Alice Weidel. AfD-Mitglied Andreas Brandmeier trat auf Platz 5 der Zentrums-Liste an. Er kandidierte bei der Kommunalwahl 2024 in Stuttgart für die AfD und ist seit 2023 im Bezirksbeirat der AfD in Zuffenhausen. Und auch Michael Schöffler trat für Zentrum an. Er war 2019 und 2024 in Schorndorf AfD-Kandidat bei der Kommunalwahl. Im Mercedes-Benz Werk Rastatt konnte die Zentrumsliste ein Mandat dazugewinnen und stellt somit künftig vier Betriebsratsmitglieder. Die Ergebnisse zeigen, dass Zentrum zwar etwas dazugewonnen hat, aber die IG Metall nach wie vor mit großem Abstand die meisten Stimmen bekommt. Bundesweit verfügt das Zentrum kaum über Einfluss. Im Jahr 2022 erhielten Zentrums-Listen nur rund 20 bis 25 Mandate – von insgesamt 180.000. Viele Ergebnisse stehen noch aus. Doch die Beispiele Mercedes Sindelfingen und Untertürkheim zeigen, dass die Rechten dort, wo sie sich festgesetzt haben, ihre Stellung weiter ausbauen konnten.

Christa Hourani – UZ 20.03.2026

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